Wilhelm Schmids Buch “Mit sich selbst befreundet sein ist ein Buch “Von der Lebenskunst im Umgang mit sich selbst“. Lebenskunst, das heißt vor allem erst einmal, mit sich selbst befreundet zu sein. Die Moderne lasse dem Menschen die Wahl, das eigene Leben so zu gestalten, wie der Einzelne es für richtig hält. Was ist das, “richtig Leben”? Vielleicht ist es das, eine eigene Philosophie zu haben, das Leben als Spiel zu sehen? Schmids Kernthese ist, dass es all das sei, was das Leben bejahenswert mache.
Vorerst gehe es also darum, sich selbst zu erkennen und für sich selbst zu sorgen, denn dann ist Selbstverwirklichung möglich. Das Selbst müsse erkennen, dass es in der Moderne, in einer Welt des globalen Dorfes, die Wahl habe. “In der Kunst des Lebens ist der Mensch beides; er ist der Künstler und gleichzeitig der Gegenstand seiner Kunst. Er ist der Bildhauer und der Marmor, der Arzt und der Patient” (E. Fromm, Psychoanalyse und Ethik, 1947) zitiert Schmid hier.
Wie ist das Leben zu gestalten? “Gestalte dein Leben so, dass es bejahenswert ist” ist die Kernaussage. So werde auch die eigene Arbeit, oft als sinnlos empfunden, zum Sinnstifter im Leben. “Arbeit ist all das, was ich in Bezug auf mich und mein Leben leiste, um eines schönes und bejahenswertes Leben führen zu können”.
Aber “die Lebenskunst kann sich nicht in der Suche nach Bejahenswertem erschöpfen, sie bedarf auch des Bejammernswerten, um dem negativen Pol des Lebens Rechnung zu tragen. Ja sagen und jammern können: Nur in dieser Spannweite findet das Leben wirklich zu seiner Erfüllung” und damit zum Sinn.
Schmid führt immer wieder die Wichtigkeit des bewussten Lebens an. Ob im Wasser (“Das Wasser macht leicht, was schwer ist, der Körper fühlt die Leichtigkeit des Seins und die Seele folgt ihm bereitwillig.”), durch Wellness, Sport, Atmen, Fasten oder bewusste Ernährung: die Ausarbeitung der fünf Sinne, die “Künste der fünf Sinne”, ist hier zentral von Bedeutung.
Dass auch Schmerz, Trauer, Einsamkeit und Schweigen das Leben bejahenswert machen können, wenn die Gegenpole Singen, Tanzen, Lachen, Rausch (nicht der Drogenrausch, denn der führe zur Sucht als die Lebenskunst, “das eigene Leben ruinieren zu können”, sondern “der Rausch” als “eine Erfahrung der Befreiung”) und Geschenke für sich selbst existieren, zeigt der Autor im Kapitel über die seelische Sorge.
Lebenskunst sei also, nicht unbedingt den Sinn zu finden, sondern am Sinn zu arbeiten, der “Autonomie des Sinns” Raum zu lassen. Sinn finden könne hierbei auch bedeuten, diesen in der Erfahrung der Schönheit, in Liebe, Freundschaft, Familie, Heimart, Geselligkeit und Zusammenarbeit, Beruf, Tätigkeit, Arbeit an einem Werk, Musik, Transzendenz und vor allem in Zusammenhängen zu finden. Man habe die Wahl und es liege an einem selbst, das Beste daraus zu machen, denn “Glück ist etwas, das man lernen kann.”
Über den Autor: Wilhelm Schmid “ist der führende Vertreter der Lebenskunstphilosophie im deutschsprachigen Raum.” (Wikipedia) Die Homepage des Autors ist http://www.wilhelm-schmid.de.
Fazit: Mir hat das Buch “Mit sich selbst befreundet sein” sehr gut gefallen. Im Alltag der Moderne ist es oft schwer, das Schöne zu entdecken, in der Hektik der Welt nicht einfach, bewusst zu leben. Schmid zeigt, dass nicht mehr festgelegte Strukturen, wie Religion, Konvention und Tradition dem Menschen Halt und “Sinn” geben, es komme vielmehr darauf an, aus der Unbegrenzten Zahl der Möglichkeiten sich das herauszusuchen, was Sinn stiftet. Dabei dürfe natürlich nicht die Pflege des eigenen Selbst vergessen werden, körperlich, seelisch sowie geistig.
Das Buch ist nicht der klassische Ratgeber für Lebensfragen, viel mehr ein philosophisches Buch über das Leben und die Kunst zu Leben – Wie gestalte ich mein Leben bejahenswert in der heutigen Zeit? “Mit sich selbst befreundet sein” ist in dem Sinne aber keine Anleitung, sondern regt zum Nachdenken an.
Autor: Wilhelm Schmid
Titel: Mit sich selbst befreundet sein. Von der Lebenskunst im Umgang mit sich selbst
Verlag: Suhrkamp
Seiten: 436
ISBN: 978-3-518-45882-2
Preis: 12,00 €