Siddhartha, 1922 erstmals von Hermann Hesse veröffentlicht ist ein wundersames Buch. Es sei eine „wirksamere Medizin als das Neue Testament“ proklamiert Henry Miller auf der Rückseite meiner Taschenbuchausgabe.
„Die Erzählung gliedert sich in zwei Teile und beschreibt chronologisch Siddharthas zweistufigen Läuterungsprozess. Erst als er die Phasen der Suche und Verzweiflung überwunden hat, gelangt er zu jener Weisheit, die über allen Dogmen und Lehren steht.“ beschreibt Amazon.de den Aufbau des Buches. An unten stehenden Zitaten erkennt man ein wenig diesen Weg.
Die Zitate sind einfach willkürlich ausgewählt, weil sie mir aus verschiedenen Gründen gut gefallen haben.
- Er sah Händler handeln, Fürsten zu Jagd gehen, Leidtragende ihre Toten beweinen, Huren sich anbieten, Ärzte sich um Kranke mühen, Priester den Tag für die Aussaat bestimmen, Liebende lieben, Mütter ihre Kinder stillen – und alles war nicht den Blick seines Auges wert, alles log, allles stank, alles stank nach Lüge, alles täuschte Sinn und Glück und Schönheit vor, und alles war uneingestandene Verwesung. Bitter schmeckte die Welt. Qual war das Leben.
- Und Siddhartha sagte leise, als spräche er zu sich selbst: „Was ist Versenkung? Was ist Verlassen des Körpers? Was ist Fasten? Was ist Anhalten des Atems? Es ist Flucht vor dem Ich, es ist ein kurzes Entrinnen aus der Qual des Ichseins, es ist eine kurze Betäubung gegen den Schmerz und die Unsinnigkeit des Lebens.“
- Und so beginne ich zu glauben: dies Wissen hat keinen ärgeren Feind als das Wissenwollen, als das Lernen.
- Auch der Kaufmann lebt ja von der Habe anderer.
- Schreiben ist gut, Denken ist besser. Klugheit ist gut, Geduld ist besser.
- Närrisch ist er, dieser Weg, er geht in Schleifen, er geht vielleicht im Kreise. Mag er gehen, wie er will, ich will ihn gehen.
- Sieh, auch das hast du schon vom Wasser gelernt, dass es gut ist, nach unten zu streben, zu sinken, die Tiefe zu suchen.
- Du zwingst ihn nicht, schlägst ihn nicht, befiehlst ihm nicht, weil du weißt, dass Weich stärker ist als Hart, Wasser stärker als Fels, Liebe stärker als Gewalt.
- Suchen heißt: ein Ziel haben. Finden aber heißt: frei sein, offen stehen, kein Ziel haben.
„Siddharta“ ist sicherlich ein ganz wichtiges Buch und in bestimmten Lebensphasen gelesen, kann es einen Menschen auch beeinflussen und lenken, zum positiven lenken. Ich habe es vor vielen, vielen Jahren zum letzten Mal gelesen, ob ich es jetzt noch mal lesen will, weiß ich nicht, ich denk manchmal drüber nach. Irgendwo befürchte ich, die Erinnerung an das Buch und dessen Wirkung zu zerstören… Irgendwie dumm….
Danke auch für den Link und die Aufnahme in die Blogroll!
Ich kann auch nur wärmstens empfehlen Hesses andere Werke zu lesen. Meiner Meinung nach gibt es kaum schönere Bücher und vor allem „Unterm Rad“ und „Narziss und Goldmund“ haben mich tief berührt.
[...] Siddhartha: Eine indische Dichtung – Rezension in Zitaten [...]
…mein regal quillt über von hesse…. sogar das glasperlenspiel mit dem magister ludus: gelesen… ;-)
nein, wirklich, in einer bestimmten zeit war hesse sehr wichtig für mich…
Das Glasperlenspiel habe ich irgendwann mal angefangen und wieder abgebrochen, weil es mir zu ähnlich einem anderen Buch Hesses war (weiß nicht mehr genau welches). Steppenwolf habe ich mit 19 gelesen und fand es irgendwie verstörend. Dafür liebe ich Narziss und Goldmund und Unterm Rad. Muss ich beide unbedingt ein zweites mal lesen, sind schon Jahre her… Und Demian kenne ich auch.
Übrigens: Hesse malte auch sehr schön. Ich hatte mal einen ansehnlcihen Wandkalender mit Hesses Aquarellen.
Viele Grüße an den Hesse-Freund :-)
http://www.leopoldmuseum.org/exhibitions.php?nav=2&id=2&sub=17&zaehler=1&total=2
„Meine Aquarelle sind eine Art Dichtung oder Träume, sie geben von der Wirklichkeit bloß eine ferne Erinnerung und verändern sie nach persönlichen Gefühlen und Bedürfnissen…“
(aus einem Brief Hesses an Helene Welti, 1919)
:-)
Ein schöner Link zu Hesses Malerei, danke dafür!
Ich denke mal, daß ich seinerzeit Hesse ziemlich komplett gelesen habe, sogar eine Menge der Gedichte. Als Suhrkamp-Autor war es auch ein schöner Anblick, alle Bücher nebeneinander zu stellen und anzuschauen. *gg* Der „Knulp“ ist mir in Erinnerung, der war nämlich aus dem Insel-Verlag, bzw. ist noch, denn ich habe die Büchlein selbstverständlich noch, und damit stach er etwas ab.
Ob ich Hesse heute noch lesen könnte, weiß ich nicht. Vor einiger Zeit versuchte ich mal, mich wieder in ein Buch einzulesen, es gelang mir aber nicht. Vielleicht hätte ich etwas mehr Geduld gebraucht, ich weiß nicht. Im Grunde gehe ich aber davon aus, daß Hesse oft dann gut zu lesen ist, wenn man persönlich sich in Umbruchsphasen befindet, denn solche menschlichen Entwicklungen schildert er ja oft in seinen Werken. .
Egal. Hesse war mir vor langer Zeit ein wertvoller Helfer und das bleibt immer.
Wer die Gedanken von Hermann Hesse liebt, wird auch diese Werke zu schätzen wissen: http://www.holofeeling.com