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Stadt aus Glas” ist das erste Buch in Paul Austers “Die New York-Trilogie”.

“Mit einer falschen Nummer fing es an, mitten in der Nacht läutete das Telefon dreimal, und die Stimme am anderen Ende fragte nach jemandem, der er nicht war.”, beginnt die als Kriminalroman oder Detektivgeschichte getarnte Erzählung um Daniel Quinn. Daniel Quinn, ein einsamer Schriftsteller, der unter dem Pseudonym William Wilson Kriminalgeschichten seines Helden Max Work veröffentlicht, nimmt den Anruf schließlich entgegen und gibt sich als der von der Anruferin verlange Privatdetektiv Paul Auster aus.

“Stadt aus Glas” spielt mit Zufall und Identitäten und handelt primär von der schweren Identitätskrise des Autors Daniel Quinn. Dieser soll einen Peter Stillmann vor seinem Vater, der vor einiger Zeit aus einer psychiatrischen Klinik entlassen wurde und ebenfalls auf den Namen Peter Stillmann hört, beschützen. Stillmann hatte seinen Sohn, ähnlich wie im Fall Kaspar Hauser, jahrelang eingesperrt, um herauszufinden, ob der Mensch über eine Ursprache verfügt.

“Stadt aus Glas” spielt natürlich in New York: “Ich bin nach New York gekommen, weil es der verlorenste, der elendste aller Orte ist. Die Zerbrochenheit ist allgegenwärtig, die Unordnung universal. Die zerbrochenen Menschen, die zerbrochenen Dinge, die zerbrochenen Gedanken. Die ganze Stadt ist ein Schrotthaufen.” In dieser Stadt verliert Quinn sich selbst in seinen Identitäten, die sich zum Schluss völlig auflösen. Tag und Nacht, Zeit und Raum, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verlieren ihre Bedeutung. Quinn zerbricht selbst in der Zerbrochenheit des Big Apple.

Fazit: “Stadt aus Glas” von Paul Auster beherrscht das Spiel mit Zufällen, Identitäten und Anspielungen (z.B. auf Don Quijote) perfekt. Ein Buch, das zahlreiche Interpretationsmöglichkeiten zulässt und den Leser bis zum Schluss fesseln kann. Voraussetzung ist nur, dass man sich auf Austers Spiel einlässt.

Auch “Schlagschatten” handelt von Detektiven und Identitäten. Blue, der bei Brown in die Lehre ging, erhält von White den Auftrag, Black zu beobachten. Dieser tut allerdings nichts weiter, als in seiner Wohnung zu sitzen, zu schreiben, zu lesen um selten sein Quartier zu verlassen, um ein paar Meter zu gehen und Einkäufe zu verrichten.

Blue nähert sich Black sukzessiv und nimmt letztendlich Kontakt mit ihm auf. Beide scheinen sich zu ergänzen und der Lebenssinn der beiden hängt schließlich zwanghaft mit dem des Anderen zusammen. Ohne den jeweils Anderen könnte keiner von beiden mehr selbstständig existieren. Zum Schluss sucht Blue Black in seiner Wohnung auf, schlägt ihn tot und nimmt sich seine Manuskripte. Zurück in seiner Wohnung muss Blue erkennen, dass es sich um seine eigenen Schriften handelt.

Fazit: “Schlagschatten” stellt den Mittelteil der “New York-Trilogie” dar und ist gleichzeitig das skurrilste Buch in dem Werk. Auster beschreibt in einer klaren Sprache Sinnsuche und Identitätsfindung von Blue. Dabei entsteht beim Leser ein unheimliches Gefühl im Dunkeln zu tappen, typisch für den hier angewandten kafkaesken Erzählstil. Das Buch endet offen und lässt einen ratlosen Leser zurück, dem es nun offen steht, verschiedenste Interpretationen zu kreieren oder das ganze einfach als verworrenes Spiel mit der Realität auf sich wirken zu lassen.

Das dritte Buch der “New York-Trilogie” von Paul Auster heißt “Hinter verschlossenen Türen” und hat mir am besten gefallen. Es handelt von dem Autor Fanshawe, der spurlos verschwindet und von dessen früherem besten Freund, dem Ich-Erzähler, der Fanshawes Frau Sophie nach dessen Verschwinden heiratet, seine Bücher publiziert und sich dann auf die Suche nach dem Verschollenen macht.

“Geschichten geschehen nur denen, die imstande sind, sie zu erzählen, …”. Auster beginnt mit der Beschreibung einer wunderbaren Jugendfreundschaft zwischen Fanshawe und dem Ich-Erzähler. Dieser bekommt, nach dem die Freundschaft längst erloschen ist, einen Brief von Fanshawes hinterbliebenen Frau. Sie erzählt, dass Fanshawe vor einem Jahr plötzlich verschwunden sei, und sie ihn für tot halte. Sie bittet den Erzähler, seinen Nachlass – Fanshawe hat sehr viel geschrieben – zu sichten. Er liest es und wird völlig überrumpelt: “Das Buch bleibt irgendwo im Hirn stecken, und man wird es nicht mehr los.”, “Man kann nicht aufhören, daran zu denken.” Parallelen zu Kafkas Leben und dessen Nachlassverwalter Max Brod kann man hier ziehen.

Plötzlich erhält der Erzähler einen Brief von Fanshawe: er lebt! Dieser Fakt bringt sein Leben völlig durcheinander, er beginnt Nachforschungen für eine Biographie über Fanshawe anzustellen und schließlich macht er sich auf den Weg, Fanshawe zu finden.

Fazit: Auch “Hinter verschlossenen Türen” endet wie die “Stadt aus Glas” und “Schlagschatten” offen und lässt den Leser allein und verwirrt zurück. Das letzte Werk der “New York-Trilogie” ist ebenfalls oberflächlich gesehen eine Art Detektivroman, der aber vielschichtig in menschliche Abgründe führt. Charaktere wie Peter Stillmann, Quinn, Henry Dark und Dinge wie das rote Notizbuch, die der Leser schon aus den ersten beiden Büchern der Trilogie kennt, tauchen in “Hinter verschlossenen Türen” wieder auf. Und nicht zuletzt die zum Schluss benutzte Selbstreflexion von “Stadt aus Glas” und “Schlagschatten” machen das Buch zu einem literarischen Genuss.

Gesamtfazit: Nach “Mond über Manhattan”, meinem ersten Auster-Roman, hat mir die “New York-Trilogie” sehr gut gefallen. Auster beherrscht das Spiel mit Stimmungen, Wahrnehmungen (der Protagonisten und damit auch des Lesers), Identitäten, Biografien, Zufällen, Schicksalen und nicht zuletzt der Umkehrung von Täter- und Opferrolle perfekt. Der Leser wird völlig in den Bann der kafkaesk geschriebenen Geschichten gezogen, um dann, am Ende jeder Geschichte, wie vor einem Abgrund zu stehen, der mit Interpretationen gefüllt werden will.

Zitat von Paul Auster zu seiner “New York-Trilogie” (übernommen aus Wikipedia): “Jeder Roman der Trilogie handelt von einer exzessiven Leidenschaft. Stadt aus Glas spielt auf Don Quijote an (…): Wo verläuft die Grenze zwischen Wahnsinn und Kreativität? Wo verläuft die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fantasie? In Schlagschatten herrscht der Geist von Thoreau (…) die Idee, ein Leben in Einsamkeit zu führen, sich wie ein Mönch auf sich selbst zurückzuziehen – einschließlich der Gefahren, die das mit sich bringt. (…) In Hinter verschlossenen Türen ist übrigens der Name Fanshawe eine direkte Anspielung auf Hawthornes (…) ersten Roman. Er hat ihn in sehr jungen Jahren geschrieben, und kaum war das Buch erschienen, distanzierte er sich innerlich davon…

Autor: Paul Auster
Titel: Die New York-Trilogie: Stadt aus Glas / Schlagschatten / Hinter verschlossenen Türen
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-499-12548-5
Seiten: 374
Preis: 9,95 €

“Sie zählen noch nicht zum illustren Kreis der Reclam-Autoren? Das können Sie jetzt ändern, denn jetzt gibt’s das Universal-Notizbuch.” (Zitat reclam.de)

Reclam-Heftchen kennt jeder noch aus dem eigenen Deutschunterricht. Fast jeder, der mal eine weiterführende Schule besucht hat, wird eine mehr oder minder große Sammlung dieser Bücher sein Eigen nennen.

Jetzt hat Reclam den Kult (ja, es ist Kult!) auf die Spitze getrieben und ein Notizbuch im klassischen Reclam-Heftchen-Design herausgebracht. Das Notizbuch hat 128 Seiten, Schuber und Bleistift inklusive. Es kostet 5,00 € (Bestell-Nr.: 900291) und ist ab sofort erhältlich.

Und der Beweis, dass das Reclam-Heftchen jetzt schon Kult ist? Das Internet:

Und wieso das alles? Weil boschblog.de drei Reclam Universal-Notizbücher unter allen denjenigen verlost, die darüber bloggen oder hier einen Kommentar hinterlassen.

Und weil Reclam ein sympathischer Verlag ist, kann ich nicht widerstehen, selbst über diese Weltneuheit zu bloggen ;-)

Ausgelesen, endlich. Endlich? Ja, denn irgendwie sind sie ja alle sehr spannend und unterhaltsam geschrieben, doch habe ich jetzt alle fünf Karin Slaughter – “Die Fälle von Gerichtsmedizinerin Dr. Sara Linton und Polizeichef Jeffrey Tolliver” – Bücher gelesen. “Gottlos” war und ist in dieser Serie bisher der letzte und meiner Meinung nach schlechteste Band.

“Gottlos” liest sich wie von bereits “Belladonna”, “Vergiss mein nicht”, “Dreh dich nicht um” und “Schattenblume” gewohnt, schnell und leicht. Die Handlung ist stringent und umfasst nur wenige Tage – auch das kennt man, mit Ausnahme des direkten Vorgängers “Schattenblume“, der zusätzlich auch in der Vergangenheit der Hauptpersonen spielte, bereits aus den anderen Büchern von Karin Slaughter.

Was das ganze Buch irgendwie unglaubwürdig macht, ist die Tatsache, dass die fünf Bücher mehr oder weniger aufeinander aufbauen und sich oft auch aufeinander beziehen. Insgesamt decken sie einen Zeitraum von wenigen Jahren ab, in denen die Hauptpersonen folglich schon allerlei Unheil mit- bzw. überlebt haben.

Damit fängt das Buch dann auch an, denn Jeffrey hat die Befürchtung, Hepatitis zu haben. Lena ist immer noch mit Ethan zusammen und ist außerdem auch noch schwanger von dem Widerling. Diese und andere Handlungsstränge, die sich nur auf das Persönliche beziehen, machen das Geschehen mehr und mehr zu einer Art Seifenoper.

Trotz allem bleiben auch Spannung und, wie immer der Hang zur Perversität der Verbrechen, nicht auf der Strecke, denn Jeffrey und Sara finden die Leiche eines Mädchens, dass nicht nur lebendig in einer Kiste begraben wurde, sondern darüber hinaus auch noch mit Zyankali vergiftet wurde.

Die Nachforschungen laufen an und es stellt sich heraus, dass eine auf einer Farm lebenden Sekte, die von der Außenwelt abgeschnitten lebt, in das Geschehen verwickelt ist. Kurze Zeit später verschwindet das nächste Mädchen von dieser Farm und lassen die Protagonisten das schlimmste vermuten: Das zweite Mädchen könnte einem ähnlichen Verbrechen zum Opfer gefallen sein. Für Sara, Jeffrey und Lena beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Fazit: Das Buch ist durchaus spannend und kurzweilig geschrieben, wenn auch nicht ganz so spannend und actionlastig wie die Vorgänger. Auf der Farm lernt der Leser aber zu viele neue Charaktere kennen, so dass es schwer fällt, diese nach längeren Lesepausen noch auseinander zu halten. Das Ende ist ein dramatisch gestalteter Showdown, der sich meiner Meinung nach etwas in die Länge zieht. Zum Schluss gibt es für Jeffrey und Sara wie auch Lena (die ja schon in den Vorgängerbüchern sehr leiden musste und in diesem Band durch einen Streifschuss ein Ohrläppchen verliert) ein Happy End.

“Gottlos” eignet sich hervorragend als Unterhaltungslektüre und hat die Bezeichnung “Thriller” durchaus verdient. Ich habe mir mit dem Buch so einige Zugfahrten zur Arbeit hin und wieder zurück vertrieben. Trotz allem ist es wie gewohnt nicht sonderlich anspruchsvoll und teilweise etwas überzogen. Eventuell habe ich die fünf Slaughter-Bücher in zu kurzem Abstand hintereinander gelesen, so dass mir die Hauptpersonen nach einiger Zeit mit ihren Eigenarten doch ein wenig auf die Nerven gegangen sind. Insgesamt für mich der bisher schwächste Teil der Reihe mit Gerichtsmedizinerin Dr. Sara Linton und Polizeichef Jeffrey Tolliver.

Titel: Gottlos
Autor: Karin Slaughter
Verlag: Rowohlt TB
ISBN: 978-3-499-24074-4
Seiten: 509
Preis: 9,95 €

Weitere Rezension in WordPress: http://thevindaloo.wordpress.com/2006/07/10/karin-slaughter-faithless

Wilhelm Schmids Buch “Mit sich selbst befreundet sein ist ein Buch “Von der Lebenskunst im Umgang mit sich selbst“. Lebenskunst, das heißt vor allem erst einmal, mit sich selbst befreundet zu sein. Die Moderne lasse dem Menschen die Wahl, das eigene Leben so zu gestalten, wie der Einzelne es für richtig hält. Was ist das, “richtig Leben”? Vielleicht ist es das, eine eigene Philosophie zu haben, das Leben als Spiel zu sehen? Schmids Kernthese ist, dass es all das sei, was das Leben bejahenswert mache.

Vorerst gehe es also darum, sich selbst zu erkennen und für sich selbst zu sorgen, denn dann ist Selbstverwirklichung möglich. Das Selbst müsse erkennen, dass es in der Moderne, in einer Welt des globalen Dorfes, die Wahl habe. “In der Kunst des Lebens ist der Mensch beides; er ist der Künstler und gleichzeitig der Gegenstand seiner Kunst. Er ist der Bildhauer und der Marmor, der Arzt und der Patient” (E. Fromm, Psychoanalyse und Ethik, 1947) zitiert Schmid hier.

Wie ist das Leben zu gestalten? “Gestalte dein Leben so, dass es bejahenswert ist” ist die Kernaussage. So werde auch die eigene Arbeit, oft als sinnlos empfunden, zum Sinnstifter im Leben. “Arbeit ist all das, was ich in Bezug auf mich und mein Leben leiste, um eines schönes und bejahenswertes Leben führen zu können”.

Aber “die Lebenskunst kann sich nicht in der Suche nach Bejahenswertem erschöpfen, sie bedarf auch des Bejammernswerten, um dem negativen Pol des Lebens Rechnung zu tragen. Ja sagen und jammern können: Nur in dieser Spannweite findet das Leben wirklich zu seiner Erfüllung” und damit zum Sinn.

Schmid führt immer wieder die Wichtigkeit des bewussten Lebens an. Ob im Wasser (”Das Wasser macht leicht, was schwer ist, der Körper fühlt die Leichtigkeit des Seins und die Seele folgt ihm bereitwillig.”), durch Wellness, Sport, Atmen, Fasten oder bewusste Ernährung: die Ausarbeitung der fünf Sinne, die “Künste der fünf Sinne”, ist hier zentral von Bedeutung.

Dass auch Schmerz, Trauer, Einsamkeit und Schweigen das Leben bejahenswert machen können, wenn die Gegenpole Singen, Tanzen, Lachen, Rausch (nicht der Drogenrausch, denn der führe zur Sucht als die Lebenskunst, “das eigene Leben ruinieren zu können”, sondern “der Rausch” als “eine Erfahrung der Befreiung”) und Geschenke für sich selbst existieren, zeigt der Autor im Kapitel über die seelische Sorge.

Lebenskunst sei also, nicht unbedingt den Sinn zu finden, sondern am Sinn zu arbeiten, der “Autonomie des Sinns” Raum zu lassen. Sinn finden könne hierbei auch bedeuten, diesen in der Erfahrung der Schönheit, in Liebe, Freundschaft, Familie, Heimart, Geselligkeit und Zusammenarbeit, Beruf, Tätigkeit, Arbeit an einem Werk, Musik, Transzendenz und vor allem in Zusammenhängen zu finden. Man habe die Wahl und es liege an einem selbst, das Beste daraus zu machen, denn “Glück ist etwas, das man lernen kann.”

Über den Autor: Wilhelm Schmid “ist der führende Vertreter der Lebenskunstphilosophie im deutschsprachigen Raum.” (Wikipedia) Die Homepage des Autors ist http://www.wilhelm-schmid.de.

Fazit: Mir hat das Buch “Mit sich selbst befreundet sein” sehr gut gefallen. Im Alltag der Moderne ist es oft schwer, das Schöne zu entdecken, in der Hektik der Welt nicht einfach, bewusst zu leben. Schmid zeigt, dass nicht mehr festgelegte Strukturen, wie Religion, Konvention und Tradition dem Menschen Halt und “Sinn” geben, es komme vielmehr darauf an, aus der Unbegrenzten Zahl der Möglichkeiten sich das herauszusuchen, was Sinn stiftet. Dabei dürfe natürlich nicht die Pflege des eigenen Selbst vergessen werden, körperlich, seelisch sowie geistig.

Das Buch ist nicht der klassische Ratgeber für Lebensfragen, viel mehr ein philosophisches Buch über das Leben und die Kunst zu Leben – Wie gestalte ich mein Leben bejahenswert in der heutigen Zeit? “Mit sich selbst befreundet sein” ist in dem Sinne aber keine Anleitung, sondern regt zum Nachdenken an.

Autor: Wilhelm Schmid
Titel: Mit sich selbst befreundet sein. Von der Lebenskunst im Umgang mit sich selbst
Verlag: Suhrkamp
Seiten: 436
ISBN: 978-3-518-45882-2
Preis: 12,00 €

“Eine kleine Geschichte über die Leidenschaft für Bücher” hat Elke Heidenreich über “Das Papierhaus” von Carlos Maria Dominguez gesagt. Das kleine, aber sehr feine Büchlein handelt genau davon.

Die Literaturdozentin Bluma Lennon wird, während sie eine alte Ausgabe der “Gedichte” von Emily Dickinson liest, von einem Auto überfahren. Der Ich-Erzähler bekommt kurze Zeit später das an sie adressierte, mit Beton verkrustete Buch „Schattenlinie“ von Joseph Conrad, auf den Schreibtisch gelegt. Das Buch ist einem, dem Erzähler unbekannten, Carlos Brauer gewidmet. Er macht sich daraufhin auf nach Südamerika, um mehr darüber herauszufinden. Hier trifft er den Bibliophilen Delgado, der ihm von Carlos Brauer erzählt. Auf tragische Weise hat Brauer, ebenfalls ein Büchernarr, den Katalog seiner Bibliothek durch einen Brand verloren und sich dann an die Küste zurückgezogen. Hier legt er höchst seltsame Eigenschaften an den Tag…

Häufig ist es schwerer, ein Buch loszuwerden, als es zu bekommen. Durch einen Pakt aus Bedürftigkeit und Vergessen sind sie an uns gebunden wie die Zeugen niemals wiederkehrender Augenblicke in unserem Leben. Solange sie da sind, können wir uns wenigstens einbilden, diese anzuhäufen.

Ich habe Bücher gekauft, solange ich denken kann. Wer sich eine Bibliothek aufbaut, der baut sich ein ganzes Leben auf. Sie ist nämlich die Summe ihrer einzelnen Exemplare.

Wir befassen uns ja mit ganz bestimmten Themen und haben nach einer gewissen Zeit eine ganze Welt definiert; oder, wenn Ihnen das besser gefällt, eine Reise zurückgelegt, mit dem Vorteil, dass uns ihre Spuren erhalten bleiben.

Sind das Warnungen an den Leser, sich nicht völlig den Büchern und dem Aufbau der eigenen Bibliothek des Lebens hinzugeben, oder sind Aussagen wie:

Vielleicht wissen Sie ja, dass man beim stillen Lesen die Buchstabenlaute in einer nicht wahrnehmbaren Frequenz aussendet. Eine Lektüre ist also nie stumm, denn die Stimme ist immer ganz leise beteiligt. Sie führt die Zeile aus wie ein Instrument die Partitur, und glauben Sie mir, dieses Lauschen ist genauso wichtig wie das Sehen. Man erschafft einen Ton, eine Melodie aus Worten und Sätzen, und wenn Sie diese mit einer leisen Musik unterlegen, dann entsteht tief innen in Ihrem Trommelfell ein harmonischer Kontrapunkt zwischen ihrer Stimme und den klängen aus dem Lautsprecher.

schlicht eine Liebeserklärung an das Lesen von einem guten Buch bei passender Musik?

Wie auch immer man “Das Papierhaus” von Carlos Maria Dominguez interpretiert, oder ob man einfach nur die Lektüre genießt und auf sich wirken lässt – die 96 Seiten umfassende Geschichte beschert einem eine schöne Stunde des Abtauchens aus dem Alltag in die manchmal verrückt und seltsam anmutende Welt der Bücher.

Das Papierhaus
von Carlos Maria Dominguez
Diana Verlag
ISBN: 978-3-453-35116-5
Preis: 7,95 €

Das Buch “Der Fremde” von Albert Camus habe ich das erste Mal mit 18 Jahren gelesen. Es war Pflichtlektüre in meinem Deutsch Leistungskurses und lief unter dem Thema “ausländische Literatur”. Mich hat das Buch damals sehr berührt und ich habe es sicherlich drei, viermal gelesen. Im Nachhinein wäre es für mich und die damaliger Zeit allerdings schöner gewesen, wenn wir Hermann Hesse gelesen hätten. Den habe ich leider erst später kennengelernt.

Der Existenzialist und Literaturnobelpreisträger Camus beschreibt das Leben des jungen Meursault, für den das Leben keinen Sinn macht. Er lebt in einer Welt ohne Gefühle und nimmt das Äußere nur durch körperliche Empfindungen, z.B. starke Hitze oder grelle Sonne, wahr.

Meursault, als “Der Fremde” in seiner Welt, erlebt diese als sinnentleert und steht ihr völlig gleichgültig gegenüber. So kann er weder Trauer für den Tod seiner Mutter empfinden, noch die Zuneigung seiner “Freundin” Marie erwidern. Der Absurdität entflieht Meursault durch den Mord an einem Araber – deshalb wird er zum Tode verurteil.

Ein Geistlicher besucht ihn dann in seiner Zelle. Dieser findet Sinn im Glauben an Gott, doch daran kann sich Meursault nicht halten. Er erkennt die Absurdität des Lebens und im Angesicht des Todes zum ersten Mal die “zärtliche Gleichgültigkeit des Todes”.

“Der Fremde” ist kein einfaches Buch. Es kann als “Meditation über den Sinn der menschlichen Existenz angesehen werden” (wikipedia) und regt zum Nachdenken über Sinnfragen und die Absurdität des Lebens an.

Inhalt:

Das Buch beginnt an dem Tag, an dem Meursaults Mutter gestorben ist. Die einzige Gefühlsregung, die er dazu zeigt, ist Schuldabweisung. Der Tod seiner Mutter berührt Meursault scheinbar gar nicht. Er hält Totenwache, schläft dabei aber sogar ein. Innerlich wirkt er wie tot. In kurzen Sätzen erzeugt Camus eine monotone, fast gespenstische Atmosphäre. Das einzige, was Meursault zu schaffen macht, ist die Außenwelt: die Hitze und das Licht Algeriens.

Zurück zu Hause verbringt er den Tag damit, nichts zu tun, selbst die Misshandlungen seines Nachbarn gegenüber dessen Hund berühren ihn nicht. Lieber sitzt er da, beobachtet die Straße und raucht. Auch zu Marie Cardona hat er eine seltsames Einstellung. Er geht mir ihr schwimmen oder ins Kino, aber sein Verhältnis zu ihr wirkt für den Leser völlig leer und gleichgültig.

Auch auf die Frage, ob Meursault Marie heiraten wolle, antwortet er, es würde ihm nichts bedeuten. Meursault ist völlig gefühlskalt und lebt weiterhin in seiner eigenen, leeren Welt.

Raymond ist Meursaults Flurnachbar. Auf die Frage, ob Meursault sein Freund sein will, antwortet dieser mit wiederum Gleichgültigkeit. Ja, seinetwegen können sie ruhig Freunde sein.

Dann machen Meursault mit Marie und Raymond einen Ausflug zum Strand. Sie treffen Masson. Später kommt es zu einer Rangelei mit einigen Arabern. Die Außenwelt wirkt auf Meursault immer noch grell und qualvoll. Er leidet unter ihr. Später trifft Meursault wieder auf einen der Araber, der, als er Meursault erkennt, ein Messer zieht. Meursault sieht die „glühende Klinge”, die Sonne blendet ihn, verletzt ihn. Er drückt ab. “Mir war klar, dass ich das Gleichgewicht des Tages zerstört hatte, die außergewöhnliche Stille eines Strandes, an dem ich glücklich gewesen war. Da habe ich noch viermal auf einen leblosen Körper geschossen, in den die Kugeln eindrangen, ohne dass man es ihm ansah. Und es war wie vier kurze Schläge, mit denen ich an das Tor des Unglücks hämmerte.”

Im zweiten Teil des Buches verändert sich die Schreibweise. Die Sätze werden länger und verschachtelter. Meursault wird nun verhört. Sein Anwalt ist sehr verstört, als er erfährt, dass Meursault den Tod seiner Mutter nicht betrauert, dass er viermal in eine leblose Leiche geschossen hat und nicht an Gott glaubt.

Meursault beginnt nun, sich an das Gefängnis zu gewöhnen. Er erkennt es als sein “zu Hause” an und geht davon aus, dass sein Lebe dort aufhöre. Ihm wird die Freiheit genommen, doch Meursault ist nicht wirklich unglücklich. Im Grunde ist das triste, leere Leben im Gefängnis nur die Fortführung seines vorherigen, tristen und leeren Lebens. Das Gefängnis steht hier wohl auch als Sinnbild des Gefangenseins in einem sinnentleerten Leben.

Nun beginnt der Prozess. Wieder ist es die Hitze, die Meursault zu schaffen macht. Alles scheint wie im Traum; Meursault wird zu dem Verhältnis zu seiner Mutter und dem Tathergang befragt. Da erkennt er das erste Mal, dass er schuldig ist. Die verschiedenen Charaktere des Buches sagen nun aus. Das Gericht befindet Meursault schließlich für schuldig. Beweisen tue das vor allem sein Charakter, der nicht mal den Tod seiner eigenen Mutter betrauere. Meursault wird als “moralischen Ungeheuer” und gefühllos tituliert, für schuldig erklärt und zum Tode verurteilt. Er kann zu seiner Verteidigung nur hervorbringen, dass ihn die Sonne geblendet habe und nimmt das Urteil kommentarlos hin.

Im Angesicht seines vorzeitigen Todes reflektiert Meursault das Geschehene. Er sieht das Leben als sinnlos an, denn “jeder weiß, dass das Leben nicht lebenswert ist”. Den Anstaltsgeistlichen lehnt er mehrfach ab, empfängt ihn zum Schluss aber doch, als dieser einfach seine Zelle betritt. Er versucht ihm Gott näher zu bringen, doch Meursault ist nicht zu bekehren. “Haben Sie denn keine Hoffnung, und leben Sie mit dem Gedanken, dass Sie ganz und gar sterben werden?” – “Ja” antwortet Meursault darauf nur. Als der Geistliche dann sagt, dass er für ihn bete werde, platzt dem Nihilisten Meursault der Kragen. Er schreit den Geistlichen an, woraufhin sich dieser mit Tränen in den Augen von ihm abwendet.

Am Ende des Buches erkennt Meursault die “zärtliche Gleichgültigkeit der Welt.” Er hofft, “dass am Tage meiner Hinrichtung viele Zuschauer da sein würden und dass sie mich mit Schreien des Hasses empfangen.”

Preis: 6,95 €
Anzahl Seiten: 142
ISBN: 978-3499221897

“Einen groben Gesamtüberblick zu bekommen, über nichts Geringeres, als die komplette Menschheitsgeschichte – ist das möglich? Anders als sonst durch Internetrecherchen entschied ich mich in einer großen Buchhandlung in Köln spontan für Alexander Demandts “Kleine Weltgeschichte”.

Völlig klar, die komplette Menschheitsgeschichte auf 300 Seiten darzustellen, das ist nicht einfach. Und so rechtfertigt sich der Autor schon im Vorwort: Er sei vom Hause Beck aus überredet worden, diese “kleine Weltgeschichte” zu schreiben.

Anfangen tut das Buch mit einem altbekannten Bild: Betrachtet man die kosmische Geschichte als ein Jahr, so beginnt sich der Affe am frühen Silvestermorgen herauszumutieren. Fünfzehn Sekunden vor 12 erscheint dann Jesus auf der Bildfläche und Mitternacht ist die Gegenwart. Die Geschichte der Menschheit ist also nur ein sehr kurzer Abschnitt in der Geschichte des Universums.

Unter diesen Voraussetzungen macht sich Demandt dann ran an die Geschichte der Welt. Auf knapp 50 Seiten werden dann die Entstehung der Menschen aus seinen affenartigen Vorfahren, der alte Orient mit der Geschichte des Zweistromlandes, Israels, den Ägyptern sowie Persern, sowie die Kultur der Griechen beschrieben. Am Ende jeden Kapitels folgt ein Abschnitt, in dem das Kapitel mit der heutigen Zeit in Verbindung gebracht wird. Diese Idee finde ich gelungen und gibt dem Gelesenen Sinn.

Schon hier wird deutlich, dass diese knappe Art komplexe geschichtliche Zusammenhänge auf wenigen Seiten zusammenzufassen, nicht ganz einfach ist und dem Leser hohe Konzentration und auch Hintergrundwissen abverlangt. In wenigen Sätzen werden Jahrhunderte beschrieben, wichtige Persönlichkeiten und ihre Taten benannt. Was mir hier gefällt ist, dass nicht nur Staatsmänner sondern auch bedeutende Philosophen und Wissenschaftlern mit ihren Werken benannt werden.

Es folgt ein Kapitel über die Römer, das hauptsächlich die verschiedenen Kriege der damaligen Zeit und die römischen Errungenschaften für die heutige Zeit, insbesondere das des Rechtswesens, beleuchtet.

Weiter geht es mit vier Kapiteln, namentlich “Die Völker Europas”, “Die Welt des Islam”, “Kaiser und Papst im Mittelalter” und “Die Großreiche Asiens”.

Die Neuzeit leiten dann die Kapitel “Renaissance und Reformation” sowie “Das Zeitalter der Entdeckungen” ein. Als wichtigste Ereignisse hier sieht der Autor die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus 1492, die Erfindung des Buchdrucks 1455 und den Beginn der Reformation 1517. So machten sich die Europäer daran, die Geheimnisse der Welt zu erkunden. Möglich wurde das durch Überlegenheit gegenüber allen anderen Kulturen zu jener Zeit – die Globalisierung findet hier ihre Anfänge.

Vom Absolutismus zur Aufklärung” beschreibt den weiteren Geschichtsverlauf in Europa. Der Absolutismus als Beginn des modernen Staatswesens hält Einzug, ebenso die Aufklärung als Befreiung der Vernunft von dogmatischer Vormundschaft. Kant bringt den Gedanken der Aufklärung auf den Punkt: “[…] Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

In “Russland und Amerika” wird Russlands aufstieg zur Großmacht sowie die Kolonisierung Amerikas und die amerikanische Revolution beschrieben. Amerikas Demokratiemodell leitet hier eine neue Epoche ein. In Europa herrscht unterdessen der “Nationalstaat und Imperialismus”. Napoleon führt Kriege, Deutschland übt sich 1848 im Revolutionieren.

Sehr ausführlich werden dann “Die Weltkriege” behandelt. Nach dem Europa, trotz aller möglichen Kriege in den Jahrhunderten davor, durch Religionsfreiheit, Aufklärung, Industrie und Wissenschaft weiter voran schreitet, drohten die beiden Weltkriege vieles wieder zu nicht zu machen. Nach 1945 war Europa nicht mehr Subjekt, sondern Objekt im Spiel der Kräfte. Amerika und Russland stiegen zu Weltmächten auf.

“Demokratie global?” beleuchtet etwas genauer die Rolle der Vereinten Nationen, beschreibt den Kalten Krieg mit seinen Auswirkungen auf die Welt. Das geteilte Deutschland, der Ostblock und die europäische Integration runden dieses Kapitel ab.

Einen Ausblick auf Gegenwart und Zukunft gibt Demandt dann in “Aus der Gegenwart in die Zukunft”. Die Welt als globales Dorf, bedroht durch Fundamentalismus jeder Art – die Situation heute.

Auf den vier folgenden Seiten wird weiterführende Literatur zu jedem Kapitel genannt. Ein gut 30 Seiten langes Register runden das Buch ab.

Fazit: Das Demandts “Kleine Weltgeschichte” erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und der Blickwinkel ist klar auf die deutsche bzw. europäische (Welt-)Geschichte gerichtet. Auf 300 Seiten all dieses darzustellen ist natürlich ein äußerst schwieriges Unterfangen. Trotzdem hat mir das Buch insgesamt recht gut gefallen, auch wenn es manchmal sprunghaft voranging. Im Großen und Ganzen wird ein großer Zusammenhang über die Geschichte der letzten 5000 Jahre erkennbar – Kausalitäten werden deutlich. Trotzdem hat mir der Geschichtsteil in Bildung. Alles, was man wissen muss von Dietrich Schwanitz besser gefallen, da dieser meiner Meinung nach einfach schöner zu lesen war.

Preis: 9,95 €
ISBN: 978-3-596-16721-0

Siddhartha, 1922 erstmals von Hermann Hesse veröffentlicht ist ein wundersames Buch. Es sei eine “wirksamere Medizin als das Neue Testament” proklamiert Henry Miller auf der Rückseite meiner Taschenbuchausgabe.

Die Erzählung gliedert sich in zwei Teile und beschreibt chronologisch Siddharthas zweistufigen Läuterungsprozess. Erst als er die Phasen der Suche und Verzweiflung überwunden hat, gelangt er zu jener Weisheit, die über allen Dogmen und Lehren steht.” beschreibt Amazon.de den Aufbau des Buches. An unten stehenden Zitaten erkennt man ein wenig diesen Weg.

Die Zitate sind einfach willkürlich ausgewählt, weil sie mir aus verschiedenen Gründen gut gefallen haben.

  • Er sah Händler handeln, Fürsten zu Jagd gehen, Leidtragende ihre Toten beweinen, Huren sich anbieten, Ärzte sich um Kranke mühen, Priester den Tag für die Aussaat bestimmen, Liebende lieben, Mütter ihre Kinder stillen – und alles war nicht den Blick seines Auges wert, alles log, allles stank, alles stank nach Lüge, alles täuschte Sinn und Glück und Schönheit vor, und alles war uneingestandene Verwesung. Bitter schmeckte die Welt. Qual war das Leben.
  • Und Siddhartha sagte leise, als spräche er zu sich selbst: „Was ist Versenkung? Was ist Verlassen des Körpers? Was ist Fasten? Was ist Anhalten des Atems? Es ist Flucht vor dem Ich, es ist ein kurzes Entrinnen aus der Qual des Ichseins, es ist eine kurze Betäubung gegen den Schmerz und die Unsinnigkeit des Lebens.”
  • Und so beginne ich zu glauben: dies Wissen hat keinen ärgeren Feind als das Wissenwollen, als das Lernen.
  • Auch der Kaufmann lebt ja von der Habe anderer.
  • Schreiben ist gut, Denken ist besser. Klugheit ist gut, Geduld ist besser.
  • Närrisch ist er, dieser Weg, er geht in Schleifen, er geht vielleicht im Kreise. Mag er gehen, wie er will, ich will ihn gehen.
  • Sieh, auch das hast du schon vom Wasser gelernt, dass es gut ist, nach unten zu streben, zu sinken, die Tiefe zu suchen.
  • Du zwingst ihn nicht, schlägst ihn nicht, befiehlst ihm nicht, weil du weißt, dass Weich stärker ist als Hart, Wasser stärker als Fels, Liebe stärker als Gewalt.
  • Suchen heißt: ein Ziel haben. Finden aber heißt: frei sein, offen stehen, kein Ziel haben.

Eine Rezension anderer Art

Seit November 2007 ist er auf dem amerikanischen Markt zu haben, der Amazon Kindle. Hierbei handelt es sich um ein spezielles Lesegerät für E-Books und E-Papers. Für knapp 270 Euro kann man sich das Teil jetzt schon per Ebay beschaffen, wann das Gerät auf dem deutschen Markt erhältlich sein wird, ist wohl noch unklar.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Ein Buch muss nicht mehr in Papierform gekauft werden, Zeitungen, Blogs usw. können sich leicht auf das Gerät geladen werden. Der Nachteil? Das ganze basiert auf DRM (Digital Rights Management), d.h. man kann nicht frei über gekaufte, digitalisierte Werke verfügen. Damit soll natürlich das Raubkopieren von Büchern von Anfang an unterbunden werden.

Heißt das jetzt, dass das Buch ausstirbt? Ganz und gar nicht, denn laut Amazon kaufen Besitzer des Amazon Kindles nach wie vor genau die gleiche Anzahl Bücher wie vorher. Der Buchmarkt kann sich also, wenn das stimmt, zusätzliche Einnahmen versprechen.

Abzuwarten bleibt, ob solch ein Gerät das herkömmliche Buch wirklich verdrängen kann. Dass es ganz nett sein kann, Nachrichten in Form einer digitalen Zeitung einfach auf ein Gerät laden zu können und das bequem in Bus und Bahn zu nutzen, scheint mir ja noch einleuchtend zu sein, aber dass dieses Gerät die Lektüre des gebundenen Buches mittelfristig ersetzen wird, daran glaube ich zur Zeit nicht.

Link zum Amazon Kindle

Da mein Philosophieunterricht nun schon gute fünf Jahre hinter mir liegt und mir der aktuelle Bestseller Wer bin ich – und wenn ja, wie viele? Eine philosophische Reise sehr gut gefallen hat, habe ich mich auf die Suche nach einer kleinen, leichten, aber doch anspruchsvollen Philosophischen Kost gemacht.

Fündig wurde ich mit Thomas Nagels “Was bedeutet das alles? – Eine ganz kurze Einführung in die Philosophie”, die von Reclam schlappe 2,60 € kostet.

Auf gerade mal 87 Seiten diskutiert Nagel bedeutende philosophische Probleme. Nach einer (ganz) kurzen Einführung beginnt das Buch mit dem Kapitel “Woher wissen wir etwas?”, bei dem er der Frage nach einer existierenden oder nicht existierenden Außenwelt außerhalb unseres Bewußtseins nachgeht. “Wenn man recht darüber nachdenkt, so kann man sich nur über das Innere seines eigenen Bewußtseins ganz sicher sein”. Woher weiß ich, dass das ganze Leben nicht Matrix-like eine riesige Halluzination ist? Woher weiß ich, dass ich das alles nicht nur träume? So dringt Nagel ein wenig in die Welt des Skeptizismus und des Verifikationsismus vor und kommt zu dem Schluss, dass letztendlich so einfach nichts zu beweisen ist.

In “Das Fremdpsychische” geht Nagel dann der Frage nach, woher man weiß, dass nicht alle Menschen um einen herum nicht hochpräzise Roboter sind, da man durch nichts und niemand in die Gefühlswelt von anderen “Menschen?” ;-) Einblick erhält.

In “Das psychophysische Problem” geht er dann auf die Frage ein, worin eigentlich die Beziehung zwischen dem Bewußtsein und dem Gehirn liegt. “Ist unser Geist etwas, das zwar mit unserem Gehirn in Verbindung steht, aber doch von ihm verschieden ist, oder ist er Gehirn?” Er stellt dann die Denkrichtung des Dualismus und des Physikalismus vor.

In “Die Bedeutung von Wörtern” wird dann untersucht, wie ein Wort etwas bedeuten kann, wo es doch nur eine Reihe von Kringeln auf dem Papier ist.

“Willensfreiheit” behandelt dann die Frage, ob der Mensch einen freien Willen besitzt oder ob alles schon vorbestimmt ist. Wenn ich mich entscheide, den gesunden Pfirsich statt der ungesunden Torte zu essen, war das dann mein freier Wille oder war das alles schon durch verschiedene Faktoren vorbestimmt? Nagel erläutert an dieser Stelle den Determinismus.

Im siebten Kapitel wird dann die Frage nach “Recht und Unrecht” geklärt und es wird in Frage gestellt, ob es eine universelle Ethik gibt.

Der Frage nach “Gerechtigkeit” geht Nagel dann im achten Kapitel auf den Grund. Was ist gerecht? Wie kann man Unrecht vermeiden? Es ist schon ungerecht, dass Herr Müller von Natur aus besser singen kann, als ich? Muss eine Regierung andere, ärmere Länder finanziell unterstützen? Was hat das alles mit Planwirtschaft zu tun?

Was denn “Der Tod” sei, ob er das Ende jeglicher Existenz des “Ich” ist oder ob man in Himmel oder Hölle weiter”lebt” – diesem Thema wird im neunten Kapitel nachgegangen. Der Dualist könne sich ein Leben nach dem Tod durchaus vorstellen, da er an Körper und Seele glaubt, wenn man allerdings davon überzeugt sei, dass alles was man sich unter “Seele” oder “Ich” vorstellt, rein chemische Vorgänge im Gehirn sind, dann wäre ein Leben nach dem Tod unmöglich, da das Gehirn nach dem Tod nicht mehr funktionieren könne. Auch die eigene Einstellung zum Tod wird hinterfragt. Wie soll man dem Tod gegenüberstehen, wenn man danach aufhört zu existieren? Ist der Tod sinnvoll, da unendliches Leben unendlich langweilig wäre? Ist der Tod das Schlimmste, was uns passieren kann? Wieso haben wir so große Angst vor dem Tod?

Im zehnten und letzten Kapitel schließlich geht der Autor auf Sinnsuche, “Der Sinn des Lebens”. Sinn muss klar im eigenen Leben gesucht werden, da wir alle, ebenso wie die Menschheit und der Planet Erde nicht immer existieren können. Sinn im Leben zu finden, sei nicht gerade einfach, aber durchaus möglich. So könne man sein Leben u.a. dafür nutzen, das Leben zukünftiger Generationen besser zu gestalten und so indirekt dem großen Ganzen einen Sinn geben. Nur wenn auch die alle mal nicht mehr sind, was hatte dann Sinn? In einem bestimmen Rahmen Sinn zu finden sei also durchaus möglich, nur woher kennt man dann den Sinn des übergeordneten Rahmens?

Insgesamt hat mir das kleine Büchlein aus dem Hause Reclam sehr gut gefallen. Es war verständlich geschrieben, auch wenn es nützlich war, einige Passagen zweimal zu lesen. Wie in der Philosophie üblich, wirft der Autor mehr Fragen auf, als er beantworten kann – aber das ist ja auch nicht das Schlechteste. So kann man sich doch tiefer mit der Materie befassen. Da komme ich auch schon zu dem Nachteil des Buches: Im ganzen Buch ist kein einziger Philosoph namentlich genannt, auch mit Nennungen philosophischer Denkrichtungen geht der Autor sparsam um. Eine kleine Übersicht an welchen Stellen man anknüpfen könnte, um sich tiefer mit Themen zu beschäftigen, fehlt. So stellt das Buch eine durchaus gelungene Einführung in verschiedene philosophische Denkprobleme dar, hilft einem aber nicht, sich zu orientieren wen und was es darüber hinaus noch gibt. Das ist das Einzige, was ich ein wenig schade finde. Trotz allem sind die 2,60 € für Interessierte des reinen Denkens sehr gut investiert.

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